Warum man Frankenthal in Pennsylvanien kennt – Vortrag von Edgar Hürkey am 18. April 2008 im Erkenbertmuseum

Pennsylvanien ist weit – das ist heute so, und das war im 17. und 18. Jahrhundert erst recht der Fall, als viele Pfälzer die Entscheidung fassten, nach dorthin auszuwandern. William Penn hatte in den 70er Jahren des 17. Jahrhunderts eingeladen, in seiner Kolonie zu siedeln. Dort sollten sie nach ihren Wünschen ihren Glauben frei leben können. Das war in Deutschland zu dieser Zeit ganz anders.

Kaum zu glauben, aber wahr ist, dass zahlreiche Nachfahren dieser pfälzischen Glaubensmigranten heute noch immer etwas mit dem Begriff „Frankenthal“ verbinden. Die Gründe hierfür erläuterte Dr. Edgar J. Hürkey in einem öffentlichen Vortrag am 18. April 2008 im Frankenthaler Erkenbert-Museum. Sein Thema lautete: „Das Frankenthaler Gesprech im Jahr 1571. Staatskirche und Gewissen“.

Im Jahr 1571 fanden in Frankenthal überkonfessionelle Religionsgespräche statt, in denen über einen Zeitraum von mehreren Tagen intensiv über die Auslegung der Bibel und andere Glaubensfragen debattiert wurde. Speziell hierzu eingeladen waren die Mennoniten, die zu dieser Zeit in der Pfalz nicht sonderlich gut gelitten waren. Ihr Sprecher, Hans Büchel, reiste aus Süddeutschland zu diesem Termin an. Die so genannten „Frankenthaler Gespräche“ brachten letztendlich keine Annäherung der Standpunkte, und so sahen sich die Mennoniten in den nachfolgenden rund 100 Jahren immer wieder Repressalien ausgesetzt, die ihnen das tägliche Leben – auch in der Pfalz – schwer machten. Der Einladung von William Penn folgten viele schließlich gerne. Hans Büchel aber war nicht nur Sprecher der Mennoniten-Delegation in Frankenthal gewesen, sondern auch der Verfasser zahlreicher religiöser Texte und Lieder. Und einige von diesen fanden Eingang in den „Ausbund“, das Liederbuch der Amischen – einer Gruppe, die sich 1693 von den Mennoniten abspaltete. Die „Amish People“ sowie der konservativste Zweig der Mennoniten – die „Old Order Mennonites“ – kennen noch immer die Geschichte von Hans Büchel und seine Verbindung zu Frankenthal. Und nicht nur das: Sie haben bis heute ihren pfälzischen Dialekt bewahrt und sprechen ihn alltäglich: in der Familie, bei der Arbeit und bei Gottesdiensten. „Pennsylvaanisch-Deitsch“ oder „Pennsylania Dutch“ nennt die Sprachwissenschaft diesen Dialekt, der derzeit von immerhin 400.000 Menschen in den Vereinigten Staaten und Kanada gesprochen wird. Gerade für Vorderpfälzer klingt die Sprache sehr vertraut.

Zu den Sprechern zählen neben Mennoniten und Amischen auch noch zahlreiche Lutheraner und Reformierte. Und mancher von diesen hat familiäre Wurzeln, die bis nach Frankenthal zurückreichen.

Da ist zum Beispiel die Frankenthalerin Berta DeTurk (1686-1726). Sie gehörte mit ihrem Mann zu den ersten Siedlern im „Oley Valley“ (Pennsylvanien). Ein anderes Mitglied der Familie – Isaac DeTurk – siedelte bereits einige Jahre zuvor mit Pfarrer Josua Harrsch aus Eschelbronn (Kraichgau) am Westufer des Hudson. Dort gründeten sie 1709 den Ort Neuburg (heute: Newburgh, Orange County), das nach dem damals die Kurpfalz regierenden Fürstenhaus benannt wurde. Ein weiterer Frankenthaler, Jakob Vatter (1759-1832), kam 1775 nach Amerika und war bei General Washingtons Armee, als diese in der Weihnachtsnacht 1776 den Fluss Delaware überquerte, um die unter britischem Kommando stehenden Hessen in Trenton anzugreifen. Jakob Vatter hat heute mehr als 10.000 Nachkommen. Diese drei Frankenthaler stehen exemplarisch für mehr als 110.000 Deutsche, die zwischen 1683 und 1776 nach Pennsylvanien und die angrenzenden Regionen auswanderten.

Der Deutsch-Pennsylanische Arbeitskreis e.V. kümmert sich seit Jahren um diesen Aspekt der deutsch-amerikanischen Geschichte und versucht, eine Brücke über den Atlantik zu bauen und Kontakte zu schaffen zwischen den Nachfahren im 18. Jahrhundert ausgewanderter Pfälzer und den Nachfahren der in der Pfalz verbliebenen. Zu diesem Zweck führt er zweimal jährlich öffentliche Veranstaltungen an wechselnden Orten durch. Ziel ist, Städte und Gemeinden mit deutsch-pennsylvanischer Geschichte auf diesen Teil ihrer Historie aufmerksam zu machen und zu ermuntern, für Besucher dieser Städte entsprechende Informationen auf Hinweistafeln bereitzustellen.

Zahlreiche mennonitische und amische Reisegruppen aus den Vereinigten Staaten besuchen bereisen jährlich das Rheintal von Mainz nach Strasburg auf dem Weg ins Berner Oberland, von wo Glaubensbrüder im 16. Jahrhundert ins Elsass und die Pfalz ausgewandert waren. Vielleicht macht manch ein Bus in Zukunft ja auch einmal in Frankenthal Station.

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